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Podiumsdiskussion: Who cares – pflegende Angehörige und die Pflegereform

| Elternverein - News

Am 16. März 2026 diskutierten Expert*innen im Museum der Arbeit in Hamburg-Barmbek über ein Thema, das oft im Verborgenen bleibt: die Situation pflegender Angehöriger von Menschen mit Behinderung vor dem Hintergrund der geplanten Pflegereform.

„Who cares – pflegende Angehörige und die Pflegereform“ – ein treffender, doppeldeutiger Titel für ein Thema, das nicht nur in der breiten Öffentlichkeit, sondern auch in der von Mario Bäumer kuratierten Care-Ausstellung im Museum der Arbeit unterbelichtet blieb. Umso wichtiger war die von Leben mit Behinderung Hamburg initiierte Podiumsdiskussion, die diesen Aspekt von Care-Arbeit bewusst in den Mittelpunkt rückte. 

Auf dem Podium diskutierten, moderiert von Elmar Lüth, Regina Jäck(SPD), Linus Görg (Grüne), Arnold Schnittger (Nicos Farm e. V.) und Kerrin Stumpf (Leben mit Behinderung Hamburg Elternverein e. V.) über die Auswirkungen der geplanten Pflegereform auf pflegende Angehörige. 

Den Auftakt setzten Arnold Schnittger und Kerrin Stumpf mit persönlichen und zugleich politischen Impulsen. Schnittger rief dazu auf, sich nicht länger als Bittsteller zu verstehen, sondern selbstbewusst für Rechte einzutreten. Stumpf formulierte eine zentrale These: Pflegende Angehörige seien der größte Pflegedienst Deutschlands – stünden aber kaum im Fokus politischer Maßnahmen. Sie forderte unter anderem einen gesetzlichen Anspruch auf Urlaub, bessere Entlastungsstrukturen und ein Umdenken im Pflegesystem, das bislang stark an der Altenpflege orientiert sei und den Bedürfnissen von Menschen mit Behinderung oft nicht gerecht werde.

Regina Jäck betonte die Bedeutung politischer Rahmenbedingungen und verwies auf Fortschritte, etwa beim Landesaktionsplan, bei der Entbürokratisierung und durch neue Strukturen wie das neue Zentrum für Teilhabe. Linus Görg plädierte für eine Pflegereform mit stärkerem Dienstleistungscharakter: Unterstützung müsse aktiv angeboten werden, anstatt erst nach komplizierten Anträgen genehmigt zu werden. Gleichzeitig äußerte er die Sorge, dass Kostendebatten notwendige Verbesserungen ausbremsen könnten. Stumpf griff dies auf und kritisierte das Pflegerecht als „Teilkasko-System“, das soziale Ungleichheiten verstärke. 

Auch die Situation in Hamburg wurde beleuchtet. Während die Politik Fortschritte hervorhob, zeichneten Schnittger und Stumpf ein differenziertes Bild: Inklusion sei vielerorts noch immer ein „Traum“, so Schnittger – sie bedeute weit mehr als bauliche Barrierefreiheit, nämlich echte Teilhabe. Kerrin Stumpf aus einem anderen Blickwinkel: „Inklusion bedeutet für mich, dass ein 25-Jähriger nicht mit seiner Mutter auf den Dom gehen oder mit seinem Vater segeln gehen muss und von ihnen betreut wird“ und ergänzte, dass bestehende Assistenzmodelle, die im bundesweiten Vergleich zwar als vorbildlich gelten, gerade Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf oft ausschlössen.

Aus dem Publikum berichteten Betroffene von finanziellen Sorgen, bürokratischen Hürden und entwürdigenden Erfahrungen mit Behörden. Gefordert wurden strukturelle Veränderungen, etwa eine bessere finanzielle Absicherung pflegender Angehöriger und eine konsequente Umsetzung bestehender Gesetze wie des Bundesteilhabegesetzes.

In der Abschlussrunde wurde die Komplexität der Herausforderungen deutlich. Görg betonte die Schwierigkeit, unterschiedliche Lebensrealitäten in einheitliche Regelungen zu überführen, hob aber die Bedeutung des direkten Austauschs hervor. Jäck kündigte an, die Impulse mitzunehmen. Schnittger blieb skeptisch und rief zur Selbstermächtigung auf, während Stumpf für mehr Solidarität und Sichtbarkeit plädierte: „Wir müssen Bündnisse schmieden und unsere Geschichten erzählen.“

Die Diskussion endete ohne einfache Antworten, aber mit einem klaren Signal: Die Stimmen der Betroffenen sind unverzichtbar, wenn Care-Arbeit in Zukunft gerechter organisiert werden soll – und wir nicht sagen: Who cares?

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Titelbild von der Podiumsdiskussion Who cares - pflegende Angehörige und die Pflegereform

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